Organuhr - wir haben alle eine innere Uhr
Es gibt eine Wissenschaft, die sich mit wiederkehrenden, zeitlichen Abläufen biologischer Systeme befasst, die Chronobiologie.
Ausgehend von Beobachtungen rhythmisch wiederkehrender Verhaltensmuster von Organismen, ein Beispiel der Menstruationszyklus, wird untersucht, welche Faktoren diese Abläufe beeinflussen.
So wissen wir heute, dass etwa 20-25 Gene in Zusammenarbeit mit den Augen, einem Teil des Zwischenhirns und dem Tag/Nacht Lichteinfall bestimmen, ob wir zu den „earlybirds“ gehören, oder zu den „Nachteulen.“ Die gute Nachricht, wer morgens schwer aus dem Bett kommt, kann nichts dafür, er kann sich auf seine Gene ausreden ;-))
Wer taktet diesen Rhythmus?
Teilweise sind es Hormone, wie oben besprochen auch Gene, die Jahreszeiten bei Tieren mit Winterschlaf, die Mondphasen bei den Gezeiten, das Licht für unseren Schlaf-Wach Rhythmus. Für uns Menschen ist der 24 Stunden Zyklus, auch zirkadianer Rhythmus genannt, der Wichtigste und gut erforscht. So wissen wir zum Beispiel, dass Menschen, durch Nachtarbeit über lange Zeit häufiger an Bluthochdruck und Diabetes leiden. Sie leben und essen arbeitsbedingt gegen ihre innere Uhr.
US Studien zeigen, dass in der Woche nach der Zeitumstellung im Oktober die Unfallzahlen steigen, der Eingriff in unseren Biorhythmus macht uns unaufmerksamer und müder.
Als ich während meiner Ausbildungszeit auf der Lungenabteilung der Baumgartner Höhe arbeitete, war die Zeit zwischen 3.00 - 5.00 Uhr morgens sehr gefürchtet, da kam es häufig zu Asthma Anfällen. Auf Internen Abteilungen kamen die Gallenkoliken oft gegen Mitternacht. Viele Patienten erzählten mir, sie erwachen gegen zwei Uhr morgens und schlafen erst wieder gegen vier Uhr ein.
Warum ? Das erklärt die Chinesische Organuhr.
Wie funktioniert also die Chinesische Organuhr?

Der Tag mit seinen 24 Stunden wird in 12 Doppelstunden unterteilt. Die Vitalenergie Qi zirkuliert in diesen 24 Stunden einmal durch unseren Körper und betreut dabei jeweils 2 Stunden ein Organ mit maximaler Energie. Das bedeutet besondere Leistungsfähigkeit, aber auch eine gewisse Störanfälligkeit auf Reize aller Art.
Der Zyklus des Qi beginnt am frühen Morgen zwischen 3 - 5 Uhr mit dem Metall Element Lunge, gefolgt von ihrem Yang Partner Dickdarm zwischen 5 - 7 Uhr.
Deshalb haben Menschen mit Problemen der Atemwege ihre Beschwerden oftmals in der Maximalzeit der Lunge.
Diese Maximalzeiten sind am äußeren Kreis der Uhr ablesbar.
Während also der frühe Morgen, die Zeit in der Mönche in Ost und West mit ihrer Morgenmeditation beginnen und der erste Ruf des Muezzin erschallt, ist gleichzeitig für das Wasser Element Blase und Niere die Minimalzeit, ihr Qi ist schwach. Es könnte zB sein, dass man mit Rückenschmerzen oder Harndrang aufwacht.
Die Minimalzeiten sind am inneren Kreis der Uhr dargestellt.


03 - 05 Uhr - Lunge (Yin) der Kreislauf beginnt von Neuem
Das lebensnotwendige Stresshormon Cortisol steigt gegen 4 Uhr morgens an und erreicht um 8.30 Uhr seinen Höchststand. Abends produziert der Körper weniger Cortisol und Histamin. Dies begünstigt die Neigung zu Entzündungen, die Bronchialschleimhaut verengt sich, was zu Asthmasymptomen führen kann.
05 - 07 Uhr - Dickdarm (Yang) trennt „Brauchbares von Unbrauchbarem“
Menschen, die abends üppig essen und danach sofort schlafen gehen, wachen um diese Zeit häufig schwitzend auf. Um diese Zeit steigt auch der Blutdruck an, der Körper beginnt sich langsam auf den Tag vorzubereiten. Bei schwachem Qi kann es um diese Zeit zur sogenannten „Hahnenschrei Diarrhoe“ , also einem spontanen Stuhldrang kommen, der die Menschen sofort aus dem Bett treibt.
07 - 09 Uhr - der Magen (Yang) hat sein maximales Qi
Die beste Zeit um zu essen. Wie sehr unser Blutzuckerspiegel nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit ansteigt, hängt von unserer inneren Uhr ab. Menschen, denen frühes Aufstehen leicht fällt, können Kohlenhydrate zu früheren Tageszeiten besser verarbeiten als »Eulen«, deren sogenannter zirkadianer Rhythmus eher auf späteres Aufstehen ausgelegt ist. Bei ihnen steigt der Blutzuckerspiegel stärker an, sie sollten daher erst nach 9 Uhr essen und möglichst wenig ungünstige Kohlenhydrate wie Kuchen, Kipferl ..etc. zu sich nehmen.
09 - 11 Uhr - die Milz (Yin) regiert das Denken
Die energetische Hochleistung verdanken wir der Milz, sie verteilt die aus der Nahrung gewonnene Energie im gesamten Körper. Jetzt ist die Zeit für Ideen, analytisches Denken, Problemlösungen. Das Immunsystem ist aktiv, wir sind widerstandsfähiger, die Wundheilung ist beschleunigt. Der Blutdruck hat im zirkadianen Rhythmus jetzt einen ersten Gipfel.
11 - 13 Uhr - das Herz (Yin) Leistungshoch zu „high noon“
Es gibt bei uns das Sprichwort „Jemand trägt sein Herz auf der Zunge“, in China sagt man „das Herz regiert die Zunge“ in beiden Fällen geht es um die Sprache. Jetzt ist eine gute Zeit für Verhandlungen, Gespräche aller Art, es fällt uns leicht die richtigen Worte zu finden, unser Geist ist klar.
13 - 15 Uhr - der Dünndarm (Yang) fordert eine Pause ein
Herz und Dünndarm zählen zum Feuer Element, sie lieben Lebensfreude. Daher sollte jetzt in angenehmer Atmosphäre ein Mittagessen eingenommen werden. Der mit voller Energie arbeitende Dünndarm braucht Nachschub. Wer trotzdem weiter arbeitet, merkt schnell ein Leistungstief am Nachmittag. Die Leber ist jetzt in ihrer Minimalzeit und kann das Bedürfnis nach hinlegen signalisieren. Manche Menschen gönnen sich einen „power nap“, wer das nicht einrichten kann, sollte wenigstens die Beine hochlagern.
15 - 17 Uhr - die Blase (Yang) entgiftet
viel Wasser trinken, um die Blase bei ihrer Ausscheidung zu unterstützen. Ab 16 Uhr steigt unsere Leistungsfähigkeit wieder an, wir haben kurze Reaktionszeiten, unsere Merkfähigkeit ist hoch. Der zweite Gipfel des Blutdrucks ist erreicht.
17 - 19 Uhr - die Niere (Yin) unser Kraftspeicher ist aktiv
Die Nieren sind die Speicher unseres genetischen Potentials, sie bestimmen unsere Kondition und sind für unsere Willenskraft zuständig. Wer sich zu sehr verausgabt, schwächt das Qi der Niere. Das macht sich durch frieren bemerkbar, wir fühlen uns abgekämpft.
19 - 21 Uhr - das Pericard (Yin) mahnt zur Entspannung
Jetzt ist nicht die Zeit sich im Fitness Studio anzustrengen, sondern ruhig den Tag ausklingen zu lassen.
Der Magen hat jetzt seine Minimalzeit, er kann die Nahrung nicht gut verarbeiten, besonders große üppige Portionen bleiben halb verdaut liegen und werden nur langsam abtransportiert. Das kann zu Magenproblemen führen wie zB Reflux (saures Aufstossen).
21 - 23 Uhr - der Dreifache Erwärmer (Yang) Zeit sich der Liebe zu widmen
der Körper reguliert seine Energien. Das Glückshormon des Tages, das Serotonin wird in das Schlafhormon Melatonin umgewandelt. Bei Schlafstörungen ist jetzt die günstigste Zeit Melatonin einzunehmen.
23 - 01 Uhr - die Gallenblase (Yang) beschert den ersten Tiefschlaf
Es gibt bei uns das Sprichwort „der Schlaf vor Mitternacht ist der Beste“, weil gemäss Organuhr das Qi des Herzens in seiner Minimalzeit ist. Gestresste Menschen schlafen oft kurz ein, sind aber gegen 01 Uhr wieder wach und dann sind tausende Gedanken im Kopf, das Gehirn kann nicht abschalten.
01 - 03 Uhr - die Leber (Yin) die Zeit der inneren Ruhe
Körpertemperatur und Blutdruck sind niedrig, der Schlaf entspannt, es ist die Zeit der schönsten Träume. Die Leber entgiftet, daher ist zwischen 23 und 03 Uhr Alkohol zu trinken nicht ideal. Angespannte, überarbeitete Menschen liegen jetzt wach und ärgern sich, weil sie nicht zur Ruhe kommen, was sie erst recht nicht schlafen lässt.
Die Organuhr wird in der Chinesischen Medizin eingesetzt, wiederkehrende Symptome einzelnen Organen zuordnen zu können. Unser Tagesablauf lässt nicht immer zu uns nach ihr zu orientieren, aber wir können versuchen unseren Körper nicht gerade in seiner schwächsten Zeit besonders zu belasten.