Die philosophischen Hintergründe des Qigong 气功
Lange vor der Entwicklung monotheistischer Religionen, war in allen traditionellen Gemeinschaften die Idee verankert, den Menschen in Harmonie mit den kosmischen und irdischen Kräften zu halten. War diese Harmonie gestört, traten zum Beispiel schlechte Ernten, Krankheiten, oder anderes Unheil auf.
Spirituelle Heiler, Schamanen, wurden eingesetzt, um mit diversen Ritualen die kosmische Harmonie wieder herzustellen.
Die Philosophie des antiken China sah den Menschen als Mitte zwischen Himmel und Erde. Sein Leben ist abhängig von der wärmenden Kraft der Sonne, sowie der stabilisierenden Energie der Erde und dem Wasser. Es entwickelten sich Rituale, um von diesen Energien zu profitieren, sie in den eigenen Körper zu integrieren - das ist auch die Idee des Qigong.
Nach den geschichtlichen Überlieferungen sollen die ersten Qigong Übungen entstanden sein, indem man Bewegungen von Tieren nachgemacht hat. Die Idee dahinter, sich die starke Energie des Bären, die Tapferkeit des Tigers, die Wendigkeit des Affen, die glückliche Freiheit des fliegenden Vogels, selbst anzueignen. Durch diese Kräfte gestärkt bleibt man gesund, hat ein langes Leben und ist gegen die Widrigkeiten des Lebens gewappnet. Die Bewegungen sollen fließen wie das Wasser, einerseits mit Leichtigkeit, wie eine sprudelnde Quelle, andererseits kraftvoll, wie ein Wasserfall.
Was bedeutet Qi?
Der Begriff Qi 氣 /气 kann als Vitalenergie, Lebenskraft, Wärme, geistige Klarheit oder als Überbegriff für alle biochemischen Lebensprozesse gesehen werden.
Wir merken diese im Einzelnen ebenso wenig, wie das Qi, aber sie sind spürbar. Wir spüren zB die Wärme in unseren Händen und Füssen, unsere Muskelkraft, den Pulsschlag, einen funktionierenden Geist, guten Schlaf und vieles andere mehr....
Der Geruch und Geschmack ist das Qi der Nahrung, wir können sie nicht sehen, aber schmecken und riechen. Atmung, Ernährung und die ererbten Energien unserer Vorfahren, die als Essenz (Jing 精) bezeichnet wird, bilden zusammen unser Qi. Deshalb fokussieren wir beim Üben besonders auf den Rhythmus der Atmung.
Der Qi Begriff ist für die chinesischen Medizin entscheidend
Qi fließt durch die Gefäße, Muskeln, Meridiane und Organe in einem ganz bestimmten Rhythmus (siehe auch Organuhr). Es sorgt für einen reibungslosen Ablauf der Körperfunktionen, die wir als Gesundheit merken. Gemäß der Daoistischen Lehre erzeugt das nicht-sichtbar-Energetische das Materielle, das hat Albert Einstein in diese Formel gepackt E = M.c2
Wenn Qi nicht mehr fließt, sind wir tot, es bleibt der materielle Körper noch bestehen, die Vitalität aber ist entschwunden. Darum dienen alle Methoden der Chinesischen Medizin, wie Akupunktur, Ernährungslehre, Kräutertherapie, Tuina Massage, Qigong sowie Taiji, einer sanften Form der chinesischen Kampfkunst, das freie Fließen des Qi zu unterstützen.